Jobsharing ist heute noch ein Nischenphänomen. Dabei gibt es aus der Sicht des modernen Kompetenzmanagements mehrere Vorteile gegenüber einer klassischen Anstellung. Die drei wichtigsten Gründe für ein Jobsharing aus Sicht der Kompetenzentwicklung sind:
1. Jobsharing unterstützt die moderne Personalentwicklung
Die gesamte Aus- und Weiterbildung hat sich in den letzten Jahren stetig weiterentwickelt. Mit dem 70-20-10 Ansatz wird heute ein Modell verfolgt, welches das kollaborative praxis- und erfahrungsorientierte Lernen ins Zentrum stellt. Dabei wird nur noch rund 10% der Zeit in die eigentlichen Wissensvermittlung investiert. 20% der Kompetenzentwicklung wird durch den strukturierten und unstrukturierten Austausch mit anderen erreicht. Gerade beim Jobsharing ist der notwendige Austausch im Job-Tandem die perfekte Ausgangslage für diesen Aspekt der Weiterentwicklung. Der Grossteil der Entwicklung (rund 70%) findet dann im Umgang mit spezifischen und allgemeinen Herausforderungen und dem entsprechenden erfolgreichen Transfer in den Alltag statt.
2. Private Kompetenzentwicklung als Mehrwert für Unternehmen
Jobsharing schafft Raum und Zeit, um persönlichen und ausserberuflichen Interessen und Verpflichtungen nachzukommen. Diese, meist durch ein reduziertes Pensum erlangte Zeit, kann zum Beispiel für Hobbies, eigene Projekte, persönliche Ziele oder für Elternzeit genutzt werden. Oder anders formuliert: Durch Arbeitsmodelle wie Jobsharing lassen sich Beruf und Privatleben besser miteinander vereinbaren. Dies ist aus Unternehmensperspektive spannend, da erfahrungsbasierte Kompetenzentwicklung nicht nur im beruflichen Alltag stattfindet, sondern auch im privaten Kontext. Schliesslich werden die Kompetenzen, die in der privaten Zeit erlangt werden, im beruflichen Umfeld nicht plötzlich vergessen oder ausgeblendet. Erweitert beispielsweise ein*e Mitarbeitende*r privat die eigenen Social-Media-Kenntnisse, kann auch das das Unternehmen davon profitieren. Dies gilt genauso für Erfahrungen, die sich Mitarbeitende durch ehrenamtliches Engagement, eine private Auszeit oder Elternzeit aneignen; Teamwork im Verein, die Leitung eines Herzensprojekts, Organisationsmanagement in der Familie – all dies sind Kompetenzen, die auch im beruflichen Alltag benötigt werden. Ein spannender Aspekt ist hierbei auch die Portfoliokarriere, also die Kombination aus verschiedenen Jobs.
Grundsätzlich lässt sich festhalten: In der Zeit, welche durch das Jobsharing gewonnen wird, können genauso Neues gelernt, bestehende Kompetenzen gefestigt und Erfahrungen gewonnen werden wie im Arbeitsalltag. Berücksichtigt man dabei, dass die private Kompetenzentwicklung grundsätzlich keine Kosten versursacht fürs Unternehmen, wird der Mehrwert auf Arbeitgebendenseite noch deutlicher sichtbar. Sowohl die eingesetzte Zeit als auch die notwendigen Ressourcen wenden die Mitarbeitenden in deren zusätzlichen Freizeit auf, welche aufgrund des Jobsharings ermöglicht wurde. Das Argument also, dass beim Jobsharing gegenüber einer Einzelbesetzung höhere Kosten anfallen (bspw. Lohnkosten, Infrastruktur), wird dadurch entkräftet. Entsprechend könnte es für Unternehmen ökonomisch von Interesse sein, möglichst viel private Kompetenzentwicklung zu ermöglichen, um dies dann unternehmerisch zu nutzen.