Hinter jeder Leistung steht ein Team
Beim Zusammenarbeiten spielt nebst Vertrauen auch die Einstellung gegenüber Teamarbeit eine Rolle. Mit «There is no `I` in Team» umschreiben Roman und Mikael ihr Mantra im Buch. Was aber, wenn im Team eine Person eher eine Einzelkämpferin ist und ihr «I» nicht so einfach in den Hintergrund stellen will? Bei diesem Mantra gehe es weniger darum, wer wie stark sichtbar sei, sondern welche Haltung dahinterstecke, entgegnen die beiden. Ein Solobergsteiger könne sehr wohl alleine im Rampenlicht stehen. Entscheidend sei dessen Bewusstsein dafür, dass das Team dahinter den Erfolg erst möglich gemacht hat. Dem Vorbehalt, dass es bei einem Topsharing unter Umständen heikel sein kann, wenn eine Person zu stark im Rampenlicht steht, widersprechen beide. Eine Person könne sehr wohl quasi die Funktion der Aussenministerin einnehmen, die andere Person jene der Innenministerin. Entscheidend dabei sei die Kommunikation. Beide müssten darüber gesprochen und ihr Einverständnis dazu gegeben haben. Roman vergleicht die Situation mit dem Modell «Run-the-Bank vs. Change-the-Bank». In einem Unternehmen benötige es beides; jemand, der Neues anstosse und jemand, der es ausführe. «Genau hier sehe ich einen grossen Vorteil beim Topsharing: Endlich bringt jemand den Laden zum Laufen, der nicht gleichzeitig auch noch bei jedem zweiten Apéro Präsenz und Visionen ausstrahlen muss. Das kann sehr entlastend sein.» Schlussendlich sei dies der ausschlaggebende Grund, weshalb für ihn die Ausübung eines Topsharings in Frage käme: «Ich möchte nicht nur weniger arbeiten (lacht). Ich möchte, nebst dem Austausch und der besseren Zusammenarbeit, den Fokus auf das behalten, was ich gerne mache und gut kann.»
Gemeinsam besser entscheiden
Als entlastend erlebt Roman auch das gemeinsame Entscheiden. Im Buch weist er sich die Rolle des Nein-Sagers zu, Mikael bezeichnet sich als Ja-Sager. Die Befürchtung, dass ein solches Duo verzögert oder gar nicht entscheidet, sich mitunter gar in Konflikte verstricken könnte, weist Roman zurück: «Was für eine antiquierte Idee zu denken, dass der eine aufgehalten wird, nur weil der andere immer Nein sagt. Im Gegenteil! Wenn ich müde bin, eine Entscheidung getroffen werden muss und der andere sagt 'ich entscheide jetzt, wir machen das so', dann ist das eine unglaublich grosse Beruhigung für mich: Ich, der Nein sagen will, kann im Fahrwasser der Entscheidung mitschwimmen.» Gleichzeitig betont er, dass dazu eine entsprechende Basis an Vertrauen und Sicherheit gegeben sein muss. Die Vorteile des gemeinsamen Entscheidens erachtet Roman insbesondere für ein Tandem als grosses Plus. Betreffend Aussenwahrnehmung fragt er sich jedoch; «darf Ambivalenz kommuniziert werden?» Es werde bei der Kommunikation von Entscheiden noch immer zu viel Wert auf das Ausstrahlen von vermeintlicher Sicherheit gelegt. Er hofft, dass künftig auch ambivalente Aussagen zum Tragen kommen, wie zum Beispiel: «Wir haben einen Entscheid gefällt, sind jedoch nicht ganz sicher, ob er richtig ist. Es handelt sich hierbei um eine Entscheidung, bei der man nicht im Voraus wissen kann, was richtig und was falsch ist. Wenn es möglich wäre, die richtige Entscheidung zu treffen, würden wir dies machen.»
Zusammen, für immer und ewig?
Hat sich ein Team wie Mikael und Roman gefunden, welches nicht nur beim Entscheiden, sondern auch sonst gut zusammen funktioniert, soll es als Team zusammenbleiben. Deshalb täten Unternehmen gut daran, anstelle von Einzelpersonen Teams zu rekrutieren – sogenanntes «lift out». Das zugehörige Buchkapitel «Warum Sie als Team den Job wechseln sollten» liest sich wie ein Werbeslogan für Job- und Topsharing. Gerade auf Unternehmensseite kann dies jedoch auch auf Widerstand stossen; mühsam wurden zwei Personen rekrutiert, damit dann beide auf einen Schlag wieder weg sind? Für Mikael kein stichhaltiges Argument: «Grundsätzlich bin ich der Ansicht, dass Unternehmen Mitarbeitende anstellen sollten, die so gut sind, dass sie im Zweifelsfall wieder weiterziehen wollen. Wenn man die Besten haben will, muss man mit diesem Risiko leben». Die Unternehmensseite ist das eine, die Perspektive der Mitarbeitenden das andere. Als Tandem bedeutet das gemeinsame Kommen und Gehen auch eine gewisse Abhängigkeit voneinander. Wie empfänden es Mikael und Roman, wenn einer von beiden plötzlich sagen würde: «Hey, das nächste Buch möchte ich mit jemand anders machen»? Es sei nicht so, dass sie alles zu zweit machten, hält Mikael grundsätzlich fest. Jeder habe auch eigene Projekte, arbeite in anderen Konstellationen. Für ihn ausschlaggebend ist die Kommunikation: «Das offene Gespräch darüber, dass ich ein anderes Projekt verfolgen möchte, ist wichtiger als die fixe Definition der Zusammenarbeit.»
Roman und Mikael verbinden über 20 Jahre erfolgreiche Zusammenarbeit und eine Reihe internationaler Bestseller. Auf die Frage, welchen Tipp sie Duos geben, die ebenfalls gemeinsam durchstarten wollen, entgegnet Roman: «Vorausgesetzt, es handelt sich um ein selbst gewähltes Tandem: alles Monetäre 50/50 aufteilen, nie 49/51! Wenn jemand zu viel arbeitet, dann am besten daran etwas ändern. Die 50/50 Aufteilung gilt es zu bewahren. Wir haben während unserer gesamten gemeinsamen Karriere genau einmal über Geld gesprochen. Das ist der zentrale Punkt.» Mikael fügt an: «Spass und Leichtigkeit sind ein wichtiges Element, das ich sowohl in der Zusammenarbeit mit Roman als auch mit anderen stark erlebe. Sich selbst, das Team, aber auch das Projekt nicht allzu ernst zu nehmen erleichtert vieles und ermöglicht es, mit Niederlagen besser umzugehen. Kurz gesagt: Achte darauf, mit wem du Spass hast bei der Arbeit. Das garantiert zwar noch keinen Erfolg, aber eine gewisse Leichtigkeit.»
Buch: ZUSAMMENARBEITEN – wie man gemeinsam Großes erreicht, © 2022 by Kein & Aber AG, Zürich - Berlin.
Zu den Interviewpartnern / Gesprächsführung:
Der gebürtige Finne Mikael Krogerus ist Journalist beim «Das Magazin» und ist unter anderem Träger des Deutschen Reporterpreises. Der Bieler Roman Tschäppeler ist Entrepreneur und Kreativproduzent. Beide sind Absolventen der dänischen Hochschule «The Kaospilots». Seit 2008 schreiben und zeichnen sie gemeinsam Kolumnen und Bücher. Ihre Werke wurden in 25 Sprachen übersetzt und verkauften sich weltweit millionenfach.